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Die neue einheitliche Steuerklasse in Luxemburg: Alles, was Sie wissen müssen

Luxemburg ersetzt seine 3 Steuerklassen ab 2028 durch eine einheitliche „Classe U". Das ändert sich für Singles, Paare und Familien.

Luxemburg hat gerade die größte Steuerreform seit Jahrzehnten angekündigt. Premierminister Luc Frieden nannte es einen „Paukenschlag zum Jahresauftakt", und damit hat er recht.

Ab dem 1. Januar 2028 werden die drei Steuerklassen des Landes zu einer einzigen vereinheitlichten Klasse zusammengeführt. Die Kosten? Rund 1 Milliarde Euro pro Jahr. Hier erfahren Sie, was Sie wissen müssen.

Was ändert sich?

Derzeit gibt es in Luxemburg drei Steuerklassen: Klasse 1 (Singles ohne Kinder: 325.000 Steuerzahler), Klasse 1a (Alleinerziehende, Rentner, Verwitwete: etwa 100.000 Steuerzahler) und Klasse 2 (verheiratete Paare und eingetragene Partner mit gemeinsamer Veranlagung: 242.000 Steuerzahler).

Die Realität: Alleinstehende Steuerzahler sind in Luxemburg mittlerweile deutlich in der Mehrheit. Das aktuelle System, das verheirateten Paaren eine Vorzugsbehandlung gewährt, entspricht nicht mehr der Wirklichkeit.

Ab 2028 werden alle steuerlich gleich behandelt, unabhängig vom Familienstand. Die neue einheitliche Klasse, offiziell „Classe U" genannt, orientiert sich an der bisherigen Klasse 1a und ist damit günstiger als Klasse 1.

Wie Frieden es formulierte: „Jeder soll sein Familienmodell wählen können, ohne dass sich der Staat einmischt. Der Staat muss in dieser Hinsicht neutral sein."

Der Steuerfreibetrag verdoppelt sich von 13.230 € auf 26.650 €. Das ist ein erheblicher Teil des Einkommens, der überhaupt nicht mehr besteuert wird.

Wer profitiert am meisten?

Singles (derzeit Klasse 1)

Sie sind die großen Gewinner. So viel sparen Sie jährlich:

  • Einkommen von 40.000 €: +2.406 € netto
  • Einkommen von 50.000 €: +2.600 € netto
  • Einkommen von 75.000 €: +2.517 € netto
  • Einkommen von 100.000 €: +2.518 € netto
  • Einkommen von 125.000 €: +2.519 € netto

Alleinerziehende (derzeit Klasse 1a)

Auch Sie profitieren, zudem steigt der Steuerkredit für Alleinerziehende von 3.504 € auf 4.008 €. Bei einem Einkommen von 40.000 € können Sie mit +549 € pro Jahr rechnen. Bei 50.000 € sind es +567 €.

Paare mit Kindern (derzeit Klasse 2)

Rund 85 % der Haushalte in Klasse 2 werden weniger Steuern zahlen. Ein Paar mit einem Kind und einem Gesamteinkommen von 50.000 € spart 2.188 €/Jahr. Bei 75.000 € sind es 3.789 €. Bei 125.000 € bleiben Ihnen 5.037 € mehr in der Tasche.

Rentnerpaare

Bei einem Einkommen von 100.000 € können Sie mit +4.160 € netto pro Jahr rechnen.

Gutverdiener

Die Regierung hatte ursprünglich eine leichte Steuererhöhung für bereinigte steuerpflichtige Einkommen über 150.000 € geplant. Sie hat diese gestrichen, um ihr Versprechen „niemand zahlt mehr" einzuhalten, was zum Teil erklärt, warum diese Reform 1 Milliarde Euro kostet.

Was ist mit den anderen 15 %?

Etwa 15 % der Paare werden nicht sofort profitieren, insbesondere jene, bei denen ein Ehepartner mehr als 75 % des Haushaltseinkommens verdient. Für diese Einverdiener-Haushalte oder Haushalte mit stark ungleicher Einkommensverteilung funktioniert das bisherige „Splitting"-System der Klasse 2 besser.

Aber das Wichtigste ist: Niemand verliert. Diese Haushalte können ihre bisherige Klasse-2-Behandlung während einer Übergangsfrist von 25 Jahren beibehalten (bis 2052). Wie Finanzminister Roth betonte: „Es wird nicht im Interesse aller sein, sofort die Steuerklasse zu wechseln."

Sie können jederzeit zur einheitlichen Klasse wechseln, aber einmal vollzogen, ist der Wechsel unwiderruflich.

Neue Vorteile für Familien mit kleinen Kindern

Die Reform führt einen völlig neuen „Kleinkinderabzug" (abattement petite enfance) ein: 5.400 € pro Jahr (das sind 450 €/Monat) für jedes Kind unter 3 Jahren. Diese Maßnahme erkennt die finanzielle Belastung in den ersten Lebensjahren eines Kindes an sowie die Tatsache, dass viele Eltern in dieser Zeit ihre Arbeitszeit reduzieren.

Bei getrennt lebenden Eltern wird dieser Freibetrag zwischen beiden Elternteilen aufgeteilt.

Die Regierung hat für diese Maßnahme 30 Millionen Euro im Jahr 2028 eingeplant, steigend auf 40 Millionen Euro im Jahr 2029.

Weitere Abzüge steigen

Neben den wichtigsten Änderungen werden mehrere Abzugsgrenzen angehoben:

Versicherungen und Darlehenszinsen: Die Abzugsgrenze steigt von 672 € auf 900 €

Bausparen (Bausparvertrag): Bis zu 1.500 €/Jahr für 18- bis 40-Jährige (bisher 1.344 €) und 900 € für alle anderen (bisher 672 €)

Kinderbetreuung, Haushaltshilfe und Pflege: Der Pauschalbetrag steigt von 5.400 € auf 6.000 €

Rentenbeiträge für den Ehepartner: NEU: Sie können jetzt Beiträge zur freiwilligen Rentenversicherung für einen Ehepartner absetzen, der seine Berufstätigkeit reduziert oder aufgegeben hat

Besserer Schutz bei Lebensveränderungen

Im aktuellen System verlieren Sie bei Tod des Ehepartners oder Scheidung den Klasse-2-Status nach nur 3 Jahren. Die Reform verlängert diese Frist auf 5 Jahre und gibt den Menschen mehr Zeit, sich finanziell anzupassen.

Und letztlich werden solche Änderungen mit der einheitlichen Klasse irrelevant, es gibt nur noch eine Klasse, sodass Ihre steuerliche Situation stabil bleibt, egal was in Ihrem Privatleben passiert. Wie Frieden sagte: „Die steuerliche Situation der Menschen wird nicht mehr davon beeinflusst, wenn sich ihre familiäre Situation ändert."

Grenzgänger: Ja, das gilt auch für Sie

Grenzgänger sind ausdrücklich in diese Reform einbezogen. Wenn Sie in Luxemburg arbeiten, aber in Belgien, Frankreich oder Deutschland wohnen, gilt die neue einheitliche Klasse mit all ihren Vorteilen auch für Sie.

Wie wird das finanziert?

Die Reform kostet jährlich 850 bis 950 Millionen Euro. Ein Teil der Finanzierung stammt aus der Nicht-Anpassung der Steuertabelle für 2,5 vergangene Indextranchen sowie für bis 2028 geplante Indexierungen. Trotz der Kosten betonte Frieden: „Wir möchten, dass das Nettoeinkommen steigt und die Familien besser leben."

Wann tritt das in Kraft?

Die Steuerreform tritt am 1. Januar 2028 in Kraft. Die Regierung plant, sie vor Ende 2026 zur Abstimmung zu bringen, wobei 2027 für die Umsetzung genutzt wird.

Hinweis: Einige Familienleistungen (Erhöhung des Kindergeldes) treten bereits früher in Kraft: am 1. Januar 2027.

Das Fazit

Finanzminister Gilles Roth brachte es auf den Punkt: „Personne ne paiera plus d'impôts après la réforme fiscale." —> Niemand wird nach dieser Reform mehr Steuern zahlen.

Die jährlichen Kosten von einer Milliarde Euro spiegeln eine bewusste Entscheidung wider: eine günstigere Steuertabelle für alle, kombiniert mit gezielten Maßnahmen für konkrete Lebenssituationen: Kinder, Wohnen, Versicherungen, Pflege und Alleinerziehende. Wie Frieden es beschrieb: „Das ist eine entschieden kinder- und familienfreundliche Politik."

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